Arbeit
Vom Knecht zum Grundrecht — die erstaunliche Karriere eines Wortes
Das Wort Arbeit hat eine bemerkenswerte Bedeutungsverschiebung hinter sich.
Althochdeutsch: arabeit
Im Althochdeutschen bedeutete arabeit so viel wie Mühsal, Plage, Not. Es war kein neutraler Begriff für Tätigkeit, sondern bezeichnete das Leidvolle daran. Die gotische Verwandte arbaiþs bedeutet schlicht “Not”.
Indogermanische Wurzel
Die indogermanische Wurzel *orbh- bedeutete “verwaist, das Erbe entbehrend”. Ein arbaiþs war also jemand, der kein Erbe hatte und deshalb für andere schuften musste — ein Knecht.
Verwandte Formen finden sich im Tschechischen (robota, “Fronarbeit” — daher auch der Roboter) und im Lateinischen (orbus, “verwaist”).
Bedeutungswandel
Erst im Spätmittelalter begann sich die negative Konnotation abzuschwächen. Die Reformation trug dazu bei: Luther verstand Arbeit als gottgefällige Pflicht. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Arbeit dann zum ökonomischen und philosophischen Schlüsselbegriff — von Adam Smith bis Karl Marx.
Heute ist Arbeit ein Grundrecht (Art. 12 GG), und der ursprüngliche Beigeschmack von Mühsal klingt nur noch in Wendungen wie “sich abarbeiten” nach.