31 Mai 2026
Kammerton
Warum das A bei 440 Hz liegt und warum das nicht immer so war
Wenn ein Orchester stimmt, spielt die Oboe ein A — und alle richten sich danach. Dieses A liegt heute bei 440 Hertz. Aber das war nicht immer so.
Historisches Chaos
Im Barock lag der Kammerton je nach Stadt zwischen 390 und 470 Hz. Eine Orgel in Venedig klang einen ganzen Ton tiefer als eine in Norddeutschland. Reisende Musiker mussten sich ständig anpassen, und Sänger litten unter den hohen Stimmungen mancher Kirchen.
Der Weg zur Normung
1858 legte die französische Regierung den Kammerton auf 435 Hz fest. 1939 einigte sich eine internationale Konferenz in London auf 440 Hz — ein Kompromiss zwischen den Vorlieben verschiedener Länder und Orchester.
Die Debatte heute
Viele Barockensembles spielen heute bewusst tiefer (415 Hz), um dem historischen Klang näherzukommen. Manche Orchester, besonders in Wien und Berlin, stimmen dagegen auf 443 oder sogar 446 Hz — der brillantere Klang wird vom Publikum als lebendiger empfunden, auch wenn Sänger darüber klagen.